von Stulz-Schriever’sche Stiftung
Kinderschutz gemeinsam gestalten: Fachtag mit rund 150 Teilnehmenden
„Kinderschutz ist bei uns eine gelebte gemeinsame Aufgabe.“ Mit diesem Gedanken eröffnete Daniel Gerlich, Pädagogischer Geschäftsführer der von Stulz-Schriever’schen Stiftung, den Fachtag „Kinderschutz & Gefährdungseinschätzung“ am 16. Oktober 2026 im Kinder- und Jugendheim Baden-Baden. Die Stiftung hat die Veranstaltung in diesem Jahr gemeinsam mit der Stadt Baden-Baden ausgerichtet. Rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen.
Ein Netzwerk an einem Tisch
Die Einladung richtete sich an alle, die im Alltag Verantwortung für Kinder tragen. Neben Jugendämtern und Jugendhilfeeinrichtungen nahmen Kinderärztinnen und Kinderärzte, Kindergärten, Kindertagesstätten, Beratungsstellen und Schulen teil. Gerlich begrüßte auch die Kolleginnen und Kollegen der Jugendämter der Stadt Baden-Baden, des Landkreises Rastatt und des Enzkreises. Mitja Frank, Amtsleiter des Sozial- und Jugendamtes der Stadt Baden-Baden, eröffnete den Tag gemeinsam mit Gerlich.
Wer sich im Netzwerk persönlich kennt, findet im entscheidenden Moment schneller den richtigen Kontakt. Deshalb planten die Veranstalter bewusst Raum für den Austausch ein: beim Brezelfrühstück, in den Kaffeepausen und in der gemeinsamen Mittagspause.
Der Referent
Als Referent konnte die Stiftung erneut Dr. med. Markus Wegenke gewinnen. Er ist Sozialarbeiter und Mediziner und leitet gemeinsam mit Prof. Dr. Jan Kepert das Freiburger Zentrum für Kinder- und Jugendhilfe. Er arbeitete im Allgemeinen Sozialen Dienst, in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und in einer Inobhutnahmeeinrichtung. Wegenke erklärt rechtliche, fachliche und methodische Fragen praxisnah und bezieht die Fragen der Teilnehmenden direkt in den Vortrag ein.
Die Themen des Tages
Haltung und Beziehung. Wegenke stellte die Vertrauensbeziehung zwischen Fachkraft und Familie in den Mittelpunkt. Wenn die Haltung auf der gemeinsamen Sorge um das Kind beruht, entstehen Brücken statt Mauern. Dazu gehört die Unterscheidung, die sein Handout trifft: Kinderschutz will nicht das Beste für ein Kind erzwingen, sondern das Schlimmste verhindern.
Recht und Methodik. Der Vormittag behandelte die Grundlagen des Kinderschutzes im SGB VIII, die Formen der Kindeswohlgefährdung und die Methodik der Gefährdungseinschätzung. Die Teilnehmenden betrachteten außerdem, wie sich Kinderschutz als dynamischer Prozess verstehen lässt und wo die Schnittstellen zwischen freien Trägern und Jugendamt liegen.
Gespräche mit Kindern und Eltern. Ein Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf der Gesprächsführung. Wie spreche ich mit betroffenen Kindern und Jugendlichen? Wie sage ich Eltern, dass wir uns im Bereich Kinderschutz bewegen? Praxisfälle am Nachmittag halfen, die Inhalte auf den Berufsalltag zu übertragen.
Kinderschutz bleibt Priorität
Gerlich betonte in seiner Begrüßung, dass der Kinderschutz bei der Stiftung trotz knapper Mittel und laufender Gesetzesänderungen in der Kinder- und Jugendhilfe oberste Priorität behält. Der Fachtag sollte der gemeinsamen Arbeit mehr Klarheit und Handlungssicherheit geben und die Verantwortungsgemeinschaft von freien Trägern und Jugendämtern stärken.
Die Stiftung dankt allen Teilnehmenden, dem Referenten, der Stadt Baden-Baden und allen Kolleginnen und Kollegen aus Pädagogik, Verwaltung, Haustechnik und Küche, die den Tag vorbereitet und getragen haben.