von Stulz-Schriever’sche Stiftung

Neue intensivpädagogisch-orientierte Wohngruppe eröffnet

Mit einer neuen intensivpädagogisch-orientierten Wohngruppe erweitern wir unser Angebot um sechs Plätze für Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf. Im September hat die neue Wohngruppe ihre Arbeit aufgenommen. Zum Start sind vier Kinder eingezogen. Das Angebot richtet sich an Kinder und Jugendlichen von sechs – 14 Jahren, die aufgrund ihrer persönlichen Lebensgeschichte und ihres erhöhten Unterstützungsbedarfs eine besonders intensive pädagogische Begleitung benötigen. Im Mittelpunkt stehen individuelle Förderung, therapeutische Begleitung und die Entwicklung neuer Perspektiven.

Die Wohngruppe verfügt über sechs Plätze in Einzelzimmern und ist ganzjährig geöffnet. Ein sechsköpfiges pädagogisches Team begleitet sie im Alltag und unterstützt sie dabei, Stabilität zu entwickeln, Vertrauen aufzubauen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entdecken.

Kinder, die in diesem Rahmen betreut werden, haben häufig belastende Erfahrungen gemacht. Dazu können Vernachlässigung, Gewalt, Verluste, Traumatisierungen oder andere tiefgreifende Belastungen gehören. Manche Kinder zeigen Schwierigkeiten in der Selbstregulation, aggressives oder oppositionelles Verhalten, ziehen sich sozial zurück oder benötigen Unterstützung im Umgang mit ihren Gefühlen und Beziehungen. Auch psychiatrische Diagnosen können mit einem erhöhten Hilfebedarf verbunden sein.

Die intensivpädagogische Ausrichtung ermöglicht es, auf diese unterschiedlichen Bedürfnisse gezielt einzugehen und die Unterstützung individuell auf jedes Kind abzustimmen.

Intensive Begleitung und therapeutische Angebote
Ein wesentliches Merkmal der neuen Wohngruppe ist die Verbindung von intensiver sozialpädagogischer Betreuung und regelmäßigen therapeutischen Angeboten. Jedes Kind erhält pro Woche eine Stunde Spieltherapie und eine Stunde Maltherapie.
Mit den Angeboten haben die Kinder zusätzliche Möglichkeiten, Erlebnisse und Gefühle zu verarbeiten. Sie ergänzen die pädagogische Arbeit im Alltag und berücksichtigen die individuellen Entwicklungsbedürfnisse der Kinder.
Darüber hinaus besteht eine enge Kooperation mit der MediClin Rastatt. Interdisziplinäre Fallbesprechungen unterstützen den fachlichen Austausch und fließen in die weitere Hilfeplanung mit ein.

Ein strukturierter Alltag mit individuellen Entwicklungsmöglichkeiten
Verlässlichkeit, klare Strukturen und tragfähige Beziehungen bilden die Grundlage der pädagogischen Arbeit. Ein strukturierter Tagesablauf gibt den Kindern Orientierung und Sicherheit. Gleichzeitig wird darauf geachtet, individuelle Bedürfnisse, Interessen und Entwicklungsziele zu berücksichtigen.

Zu den pädagogischen Angeboten gehören:

  • Individuelle Wochenpläne, die Orientierung geben und die persönliche Situation und den Entwicklungsstand jedes Kindes berücksichtigen .
  • Wöchentliche auf die Bedürfnisse der Kinder abgestimmte Einzelangebote, um die Kinder gezielt zu unterstützen.
  • Kleingruppenangebote fördern soziale Kompetenzen und das Miteinander.
  • Sport und Bewegung schafft Ausgleich und eröffnet Möglichkeiten, eigene Fähigkeiten zu entdecken.
  • Erlebnispädagogische Tage: In Zusammenarbeit mit einem Waldpädagogen sammeln die Kinder Erfahrungen außerhalb des gewohnten Alltags.
  • Präventionsprojekte wie die Lebensschule „Starke Kiste“. Hier werden Themen wie persönliche Grenzen und der Schutz vor sexualisierter Gewalt aufgegriffen.
  • Ferienfreizeiten ermöglichen neue Erfahrungen und stärken das Gruppengefühl.
Die Angebote schaffen unterschiedliche Zugänge, um die Kinder in ihrer persönlichen, sozialen und emotionalen Entwicklung zu fördern.
Ein gemeinsames Konzept und ein starkes Team
Die Arbeit in einer intensivpädagogischen Wohngruppe stellt hohe fachliche und persönliche Anforderungen an die Mitarbeitenden. Deshalb wurde das sechsköpfige Team bereits vor der Eröffnung in die konzeptionelle Arbeit eingebunden. Klausurtagungen dienten der Vorbereitung des Angebots, der gemeinsamen fachlichen Ausrichtung und der Teamentwicklung.
Für die pädagogische Arbeit stehen insgesamt 5,57 Vollkraftstellen zur Verfügung. Regelmäßige Supervision ist als fester Bestandteil der Arbeit vorgesehen. Sie bietet Raum, pädagogische Situationen zu reflektieren, unterschiedliche Sichtweisen einzubeziehen, die eigene Arbeit fachlich weiterzuentwickeln und Krisen zu bewältigen.
Damit erhalten auch für die Mitarbeitenden einen Rahmen, um den besonderen Herausforderungen des intensivpädagogischen Alltags professionell zu begegnen.

Neue Perspektiven entwickeln
Die intensivpädagogische Hilfe ist nicht als dauerhafte Unterbringung angelegt. Vielmehr geht es darum, die Kinder in ihrer Entwicklung so zu stabilisieren und zu stärken, dass eine tragfähige Perspektive für die Zeit nach dem Aufenthalt entstehen kann.
Je nach Situation kann dies die Rückkehr in die Familie oder der Wechsel in eine andere geeignete Jugendhilfemaßnahme sein. Welche Perspektive infrage kommt, wird am Bedarf des jeweiligen Kindes ausgerichtet.
Mit der neuen Wohngruppe erweitert das Kinder- und Jugendheim Baden-Baden sein differenziertes Angebot in der Kinder- und Jugendhilfe.

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